







Heiko Thies
Diplom Biologe, Gymnasiallehrer, Natur- und Umweltpädagoge (in Teilzeit tätig am Gymnasium Roth und im Institut für Pädagogik und Schulpsychologie der Stadt Nürnberg)
Es sind oft Kleinigkeiten im Leben, die zu Entscheidungen und Wendepunkten führen. Heiko Thies erinnert sich noch heute an die lachenden Kindergesichter in einer Dokumentation über einen Brunnenbau im südlichen Afrika. Es wurde schwer gearbeitet, aber es wurde auch sooo viel Gelacht. Es war eine fröhliche und gemeinschaftliche Stimmung, wie er sie aus seiner Alltagswelt in der Schule, im Studium nie kennengelernt hatte.
So verschlug es ihn 1995 nach Namibia. Freilandstudien an Geparden beim Cheetah Conservation Fund.
Während seiner zwei Jahre Feldforschung als Verhaltensbiologe an Geparden in Afrika (Namibia) lernte er viele Farmer aus dem namibianischen Hochland, ihre Einstellung zu großen Raubtieren sowie ihre Freuden und Nöte der Rinderzucht in Afrika hautnah kennen. Lernte es den Menschen und ihren Problemen zuzuhören. Und lernte es, die „andere Seite“ nicht nur anzuhören, sondern sich oft in sie hinein-zu-versetzen, musste sie akzeptieren. Nur so - merkte er - kann man zu Lösungen kommen. So änderte sich in dieser Zeit seine Vorstellung und Einstellung zu Farmern, Jägern, Landwirtschaft und Tourismus stark. Aber er merkte, das auch seine Forschung und Anwesenheit auf Conservancy-Sitzungen oder Farmertreffen die Gemeinschaften in Namibia und ihre Handlungsweisen beeinflussten.
Wesentlich tiefer berührt wurde Heiko Thies durch die mehrmonatige Zusammenarbeit mit den San. Er suchte ihre Hilfe und ihr Wissen über das Fährtenlesen. Sein Plan war es, Spuren von Geparden mittels eines Computers 100-stel-Millimeter-genau zu vermessen und über bestimmte Parameter, welche ich mit dem Wissen der San erarbeitet wurden, eine Individualbestimmung ermöglichen zu können. Er kam zu interessanten Ergebnissen, doch die wesentlichste Erkenntnis, welche er aus dem Buschmannland mit nach Nürnberg brachte, war, dass ihre Arbeitsweise beim Fährtenlesen im Busch nicht in Ziffern eingezwängt ist. Es geht ihnen um eine Harmonie mit ihrer Umwelt ,in der sie sich Tag-täglich bewegen. Eine Umwelt, die sie ernährt, wenn sie ihr zuhören.
Zurück in Deutschland begann Heiko Thies als Journalist und Vortragsreferent verschiedene gesellschaftliche und ökologische Themen aufzugreifen. Im heiligen Jahr 2001, der Jakobstag fällt in diesen Jahren auf einen Sonntag, machte er sich mit seiner Frau Astrid, seinen beiden Söhnen Lyn und Nede und den beiden Pferden der Familie auf den Weg nach Santiago de Compostela. Ein Jugendtraum ging in Erfüllung. Einmal mit einem Pferd durch Eurpa streifen. Die heimatliche Lebenswelt mal ganz anders kennenlernen!
Solcherart unterwegs zu sein, zwei kleine Kinder, zwei Pferde. Das bedeutete immer wieder mal auf die Hilfe der Menschen am Wegesrand angewiesen zu sein. Und die Offenheit der Menschen in dieser sonst so hektischen Welt war überwältigend. Viele intensive sowie positive Eindrücke brachte die Familie nach Deutschland mit zurück.
Der Blick auf das heimische Europa, seine Natur und insbesondere die Mitmenschen veränderte sich für Heiko Thies mit dieser Tour grundlegend.
Mit diesem „Vorwissen“ machte er sich zwei Jahre später mit seiner Familie und den Pferden auf den Weg zu den Wölfen Europas Nordens. Diesmal war der Familienhund Boots auch mit von der Partie.
Es erschien ihm als der erste logische Schritt, ein aktives Einfühlen in den „möglichen“ Lebensraum dieser Top-Prädatoren zu bekommen. Ein Überleben-Müssen mit Kind, Pferd und Hund musste dafür ein hervorragendes Substrat liefern.
Und so wurde es für mich und meine Familie zwar eine extreme, aber durchaus eine sehr interessante Erfahrung, nochmals für lange Zeit dem Alltag mit seinen Annehmlichkeiten aber auch Zwängen zu entkommen. Der Norden Europas öffneten uns eine Welt, in der wir für uns, unsere Kinder und unser Tiere jeden Tag in einem neuen Umfeld sorgen mussten. Es faszinierte Heiko Thies immer wieder, mit was für einfachen Spielsachen sich seine Kinder stundenlang beschäftigen konnten. Sie belebten mit ihrem Spiel Blätter , Stecken, Steine, .. Und wurden selber von einer Art Leben erfüllt, wie es beim Spiel in den vier Wänden nur selten zu beobachten war. Mit dem riesigen Luxus, dass sie Mama und Papa 24/7 um sich hatten!
Sie waren stets abhängig von der Natur. Und genossen dabei jedoch eine ganz besondere Aufgeschlossenheit der Bevölkerung. Sammelten unendlich viele Eindrücke, viel Wissen über Land und Leute, Landschaft und Wölfe.
Und sie pflanzten neue Ideen in den Köpfen vieler Menschen am Wegesrand.
Mit dem älter werden der Kinder wurde für Heiko Thies eine standorttreue Arbeit wichtiger, so das er 2008 als Lehrer in Villingen-Schwenningen seinen Dienst antrat. Biologie und Chemie bis zum Abitur.
So sammelte er in den vergangenen 13 Jahren viele wertvolle Erfahrungen im Schulwesen Baden-Württembergs und Bayerns. In all den vergangenen Jahren als Lehrer blieb ersters seiner Verbundenheit mit der Natur und seinen stetig wachsenden Problemen verbunden. Er gründete und unterhielt eine Arbeitsgruppe "Raubtier-Netzwerk", wo ein reger Austausch mit einer namibianischen Schule und NGO's sowie Farmern Namibias stattfand. Schüler tauschten sich hier über die Möglichkeiten und Probleme aus, welche große Beutegreifer in Kulturlandschaften mit sich bringen.
Stets wurden Themen der nachhaltigen Entwicklung in die Unterrichte mit eingebaut. Das Thema der Bildung für nachhaltige Entwicklung mit Kollegen fächerübergreifend aufgearbeitet und in Konferenzen bewegt.
Im Sommer 2021 ergab sich mit dem Grundstück neben dem Jugendtreff Schloßäcker für Heiko Thies die Gelegenheit, das Thema der Nachhaltigkeit und des massiven Verlustes unserer Biodiversität auf eine andere, intensivere Art in der Nürnberger Region aufzugreifen. Er gründete mit Freunden den Verein Arteninseln e.V.
